Und wieder einmal die verflixte Frage nach der Zeit.

Ist sie nun ein Kontinuum oder bewegt sie sich? Zieht sie vorbei? Oder bewegen wir uns mit ihr? 

Wenn keine da ist, die sie beobachtet oder über sie nachdenkt, gibt es sie dann?

Nicht, dass es tatsächlich eine Rolle spielt für das alltägliche Leben - oder doch?

Wie dem auch sei, immer wieder mal beschäftigt mich das.

Eines steht allerdings für mich fest: das mit dem „alle-Wunden-heilen“ ist Quatsch.

Nach meiner Erfahrung gibt uns die Zeit die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen, wie grauenvoll eine Erfahrung auch immer gewesen sein mag. Sie ermöglicht uns, genauer hinzuschauen, mit ein wenig Glück Strategien zu entwickeln, um nach und nach zu bewältigen, was völlig unerträglich schien. Wir finden Umgangsformen für Situationen und Gefühlslagen, denen gewachsen zu sein wir uns niemals vorstellen konnten. 

Sie stellt allerdings auch Fallen für uns auf: rückblickend vergessen wir manchmal, dass die Entscheidungen, die wir getroffen haben, immer aus einer bestimmten Situation heraus geboren werden. Nicht nur Umstände ändern sich, auch unser eigener Blick auf die Dinge kann sich mit (eben!) der Zeit gewaltig verschieben oder verändern. Und dann natürlich das Vergessen. Es gibt sie sehr wohl, die rosarote Brille beim Zurückschauen oder auch die gnadenlose Verurteilung ohne jede Differenzierung.

Wenn wir uns Mühe geben, kann es uns aber auch gelingen, Verständnis zu entwickeln für Andere und für uns selbst, vielleicht sogar, zu lernen und weiter zu gehen.

Es kann gelingen, etwas ganz Schlimmes nach und nach einzuordnen und auch einzuhüllen, aber wie das Sandkorn in der Perle, die von der Muschel geschaffen wird, damit diese überleben kann, ist es immer noch da.

a.