Es regnet seit Tagen. Wundervoller, großartiger, herrlicher Landregen. Ich habe festgestellt, dass ich gar nicht mehr wusste, wie das ist und wie sich das anfühlt.

Denn tatsächlich hat es bei uns seit vielen Monaten, man kann ruhig sagen, fast Jahren, nicht mehr so geregnet. Die Sommer waren viel zu trocken und richtig viel Schnee im Winter ist auch in höheren Lagen längst nicht mehr selbstverständlich. Natürlich hat es geregnet, aber immer nur kurz und oft so sturzbachartig, dass der Boden das Wasser gar nicht aufnehmen konnte, zumal er durch die Trockenheit ja auch viel zu hart war.

Aber jetzt! Es regnet und regnet und regnet. Dazwischen gibt es Pausen, da wird es richtig hell, manchmal blinzelt die Sonne durch, aber manchmal plätschert es auch stundenlang dahin. Niemals hätte ich gedacht, dass mir das soviel Freude bereiten könnte. Ich bin ein Sonnenmensch, ich hab´ es gerne warm und hell, ich mag es nicht, wenn es finster ist und düster und vielleicht auch noch kalt.

Aber - ich genieße es. Ich finde es schön, wenn es rauscht und in der Dachrinne gurgelt, wenn der Regen auf die Blätter der Bäume fällt, wenn ich nachts im Bett das Aufklatschen der Tropfen auf dem Fensterbrett hören kann und wenn es zwischendurch einfach nur ganz fein dahinnieselt. Ich liebe den Geruch, der plötzlich in der Luft ist, die auch tatsächlich ganz anders aussieht, die Feuchtigkeit, die sichtbar aufsteigt, den Dunst in der Früh, das Grün der Pflanzen erscheint mir intensiver (ist es vielleicht auch, sind ja gewaschen und die Vegetation erholt sich tatsächlich) und die frische klare Luft macht mich geradezu glücklich und unternehmungslustig. Ja, ich bin richtig wunderlich.

Vor vielen Jahren, in einem verregneten Sommer, der mir gewaltig auf die Nerven ging, hat mir eine Bekannte, die damals gerade  aus Griechenland zurück gekommen war, wo sie ihren Eltern bei der Olivenernte geholfen hatte, davon vorgeschwärmt, wie sehr sie es genossen hätte, bei ihrer Rückkehr nach Österreich endlich wieder im Regen laufen gehen zu können. Damals fand ich das etwas befremdlich.

Heute kann ich sie gut verstehen.

a.